Die 7 Arten der Verschwendung

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Ich will dich nicht langweilen!

Wahrscheinlich hast du den Inhalt dieses Beitrages schon oft gelesen und weißt bereits bestens Bescheid.

Aber dieser Blog ist auch für absolute LEAN Neulinge und eine kleine Wiederholung dieses Themas schadet nie.

Bevor wir uns also in die wirkliche Materie stürzen und in die praktische Umsetzung gehen, erlaube mir, kurz auf die drei MU und die 7 Arten der Verschwendung einzugehen.

Im letzten Beitrag haben wir über die LEAN Prinzipien gesprochen und dass diese dazu da sind, jede Form von Verschwendung zu bekämpfen. Daher lass uns das Thema einmal etwas näher beleuchten und gemeinsam schauen, welche Arten der Verschwendung wir eigentlich bekämpfen wollen.

Los geht´s:

Die drei MU´s – Muri, Mura, Muda

Muri ist die Überlastung.

Überlastung von Maschinen oder von Mitarbeitern.

Du hast drei Mitarbeiter in der Kommissionierung. Zusammen schaffen die drei 600 Pakete am Tag. Mitarbeiter 1 und 2 lassen es etwas ruhiger angehen und machen am Tag 180 Pakete. Mitarbeiter 3 will unbedingt das Tagesziel schaffen und macht 240. Er wird auf Dauer überlastet.

Das ist Muri.

Muri_Bild

Mura sind Schwankungen und Unausgeglichenheit.

Damit könnte z.B. eine Situation gemeint sein, bei der ein Mitarbeiter an einer Maschine alle 10 Teile eine Palette wechseln muss. Damit wäre der Takt alle 10 Teile einmal deutlich länger als bei den anderen Teilen.

Das ist Mura.

Mura_Bild

Muda ist die Verschwendung.

Alles was dein Kunde nicht bezahlt und du trotzdem tust, ist Verschwendung.

Muda_Bild

Und welche 7 Arten der Verschwendung es gibt erfährst du jetzt:

Verschwendung Nr. 1 – Transport

Du musst Teile von einem Prozessschritt zum nächsten fahren?

Das ist Verschwendung.

Denn auf dem Weg erfährt das Teil keinen weiteren Wertzuwachs. Maschinen für aufeinanderfolgende Prozesse sollten also möglichst nah bei einander stehen, um Transporte möglichst ganz zu vermeiden. Denn zusätzlich geht mit jedem Transport das Risiko einher, dass deine Ware dabei beschädigt wird. Und das ist dann doppelt ärgerlich.

Verschwendung in Form von Transporten gibt es auch im Büro.

Nämlich dann, wenn z.B. ein Auftrag von einer Abteilung in die nächste weitergegeben wird. Geschieht das noch in Papierform, muss dafür jemand von der einen in die andere Abteilung laufen. Auch hier wäre es besser, wenn die Abteilung räumlich so nahe bei einander sitzen würden, dass ein Transport nicht notwendig ist.

Transporte kennst du auch aus dem Alltag.

Wenn du z.B. für das holen von Getränken jedes Mal in den Keller gehen musst, ist das auch Verschwendung in Form von Transport.

Verschwendung Nr. 2 – Bestände

Sicher hast du Rohmaterial im Lager und vielleicht auch fertige Teile, die darauf warten, dass sie an den Kunden verschickt werden können.

Zusätzlich gibt es bestimmt noch Material zwischen den Fertigungsschritten welches auf den nächsten Produktionsschritt wartet.

Alles das sind Bestände.

Und Bestände sind Verschwendung.

Überschüssiges Material bindet Kapital, es verbraucht Platz, den du anderweitig besser benutzen könntest. Für diesen Platz musst du Miete oder Heizkosten bezahlen. Wenn es ein Qualitätsproblem gibt, dann sind gleich viel mehr Teile betroffen, als wenn du kleinere oder keine Bestände hättest.

Es lohnt sich also Bestände so klein wie möglich zu halten.

Auch im Büro gibt es Bestände.

Wenn sich Arbeitsvorgänge in Posteingangsmappen sammeln, sind das Bestände.

Überall da, wo Arbeitsvorgänge nicht sofort weiterbearbeitet werden, sammeln sich Bestände und damit Verschwendung.

Auch zu Hause gibt es Bestände. Aufgrund des Sonderangebotes im Supermarkt hast du vielleicht deutlich mehr Chips eingekauft, wie normal. Jetzt liegen Sie im Vorratsregal und nehmen Platz weg. Und wenn du nicht aufpasst, sind sie wohlmöglich abgelaufen, bevor du sie verbrauchen konntest.

Dies ist nur ein Beispiel, aber es verdeutlicht das Prinzip.

Verschwendung Nr. 3 – überflüssige Bewegung

Überflüssige Bewegungen treten immer dann auf, wenn du dich bewegen musst, um deine Arbeit zu erledigen.

Du arbeitest an einer Maschine und das nötige Werkzeug ist drei Schritte hinter dir im Schrank? Jedes Mal, wenn du ein Werkzeug brauchst, musst du dich umdrehen, drei Schritte zum Schrank gehen, das Werkzeug nehmen und zurückgehen.

Das hört sich erstmal nicht viel an, aber das summiert sich.

Oder einer deiner Mitarbeiter im Büro benötigt regelmäßig Unterlagen aus einem Schrank auf der anderen Seite des Zimmers. Also muss er regelmäßig aufstehen und zum Schrank laufen, um die Unterlagen zu holen. Besser wäre es, wenn die benötigten Unterlagen in direkter Nähe und griffbereit gelagert wären.

Letztes Beispiel:

In der Küche sind die Gewürze nicht in unmittelbarer Nähe zum Herd gelagert, sondern in einer Schublade hinter dem Herd. So musst du dich jedes Mal erst umdrehen und zur Schublade laufen, um ein Gewürz zu holen.

Alles unnötige Bewegung und damit Verschwendung.

Im LEAN Management geht es also darum, Arbeitsplätze so zu gestalten, dass alle notwendigen Arbeitsutensilien möglichst nah am Verwendungsort gelagert werden.

Verschwendung Nr. 4 – Wartezeiten

Auch Warten ist Verschwendung.

Ob der Mitarbeiter an der Maschine auf neues Material wartet, oder ob die Maschine kaputt gegangen ist und der Mitarbeiter auf die Instandhaltung wartet. Er kann in dieser Zeit nicht wertschöpfend arbeiten.

Im Alltag kennen wir alle genügend Beispiele für Wartezeiten, sei es an der Supermarktkasse oder im Stau.

Wartezeiten sollen im LEAN Management konsequent vermieden werden, damit das Material im Fluss ist.

Um den negativen Effekt der Wartezeit abzuschwächen, wäre ein guter Weg, deinen Mitarbeiter etwas Sinnvolles machen zu lassen. Muss die Maschine sowieso mal wieder gereinigt werden? Muss der 5S Standard am Arbeitsplatz optimiert werden? Dann ist die Zeit, in welcher der Mitarbeiter nicht am Produkt arbeiten kann, hierfür genau richtig.

Verschwendung Nr. 5 – Überproduktion

Überproduktion wird oft als die schlimmste Verschwendungsart bezeichnet. Denn alles, was produziert, aber nicht sofort verkauft werden kann, zieht die anderen Verschwendungsarten nach sich. Du hast zusätzlichen Transport, du musst das Material lagern und hast damit Bestände.

Aber warum wird oftmals mehr produziert, als gebraucht wird?

Ein Grund könnte sein, dass Produktionsaufträge mit zu großen Losgrößen in die Fertigung eingetaktet werden. Vielleicht wird dabei auch nicht auf den Kundenbedarf geachtet. Das passiert vor Allem dann, wenn zu wenig Aufträge vorliegen, um die Produktion voll auszulasten. Dann werden Dinge auf Lager produziert, um die Unterauslastung zu verdecken.

Das Risiko dabei?

Wenn du jetzt ein Qualitätsproblem feststellst, oder wenn sich an deinem Produkt etwas ändert, musst du diese künstlich erzeugten Bestände ggf. sogar verschrotten oder teuer nacharbeiten.

Überproduktion kennst du vielleicht auch von zu Hause. Du hast mehr gekocht, als gegessen wurde. Und dann vergisst du die Reste im Kühlschrank und wirfst sie schlussendlich weg.

Verschwendung Nr. 6 – Prozessübererfüllung

So gut und so viel wie nötig aber wo wenig wie möglich.

Das ist es, worauf es bei verschwendungsfreien Prozessen ankommt.

Zu enge Toleranzen, zusätzliche Arbeits- oder Prüfschritte, oder auch Nacharbeit sind alles Prozessübererfüllungen und damit Verschwendung.

Beispiele wären tiefere Bohrungen, als vom Kunden gefordert, genauere Prüfungen als spezifiziert

Prozessübererfüllung zu Hause? Die gibt es auch.

Du klebst ein Paket lieber mit zehn Streifen Klebeband zu, obwohl es zwei auch getan hätten.

Verschwendung Nr. 7 – Fehler, Ausschuss, Nacharbeit

Tritt ein Fehler im Produktionsprozess auf, wird das entstehende Produkt keine gute Qualität haben.

Dein Kunde möchte das Produkt in diesem Zustand nicht haben.

Dir bleibt also nichts anderes übrig, als den Fehler durch Nacharbeit zu beheben. Das kostet dich zusätzliche Zeit, denn während du den Fehler behebst, hättest du auch ein neues Produkt fertigen können.

Noch schlimmer ist es, wenn der Fehler nicht bei dir im Unternehmen, sondern erst beim Kunden auffällt. Dann kommt zu dem ganzen Aufwand für die Korrektur des Fehlers auch noch der Vertrauensverlust bei deinem Kunden dazu.

Warum aber passieren Fehler? Was ist die Ursache?

In automatischen Prozessen oder Maschinen sind schlechte oder schlecht gewartete Werkzeuge häufig ein Problem.

In manuellen Prozessen, wie einer Montage, kann es daran liegen, dass die Vorgänge nicht gut oder nicht ausreichend standardisiert sind. Das ist dann oft gekoppelt mit einer unzureichenden Ausbildung des Arbeiters.

Oder aber das Produktdesign ist zu komplex und lässt sich gar nicht prozesssicher umsetzen.

Du siehst, es gibt viele Gründe, warum die Qualität deines Produktes in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Wie wichtig es ist, die Fehler möglichst früh zu entdecken und zu beheben, besagt die 10er Regel der Fehlerkosten.

Was besagt die 10er Regel der Fehlerkosten?

Sie liefert einen Daumenwert, wie sich die Fehlerkosten erhöhen, je später der Fehler im Prozess entdeckt wird.

Würde der Fehler schon während der Entwicklung entdeckt, kostet dich die Korrektur 1 Euro.

Wird der Fehler in deiner Fertigung entdeckt, dann steigen die Kosten für die Nacharbeit schon auf 10 Euro.

Findet der Kunde den Fehler in seinem Wareneingang, musst du für die Fehlerbehebung schon 100 Euro berechnen.

Und tritt der Fehler erst auf, wenn dein Kunde das Produkt seinerseits verbaut hat, dann liegen die Kosten schon bei 1000 Euro.

Die 10er Regel ist natürlich keine exakte Berechnung, aber in etwa macht sie klar, wie wichtig es ist, Fehler möglichst früh zu entdecken und zu beheben.

Verschwendung Nr. 8 – Mitarbeiterfähigkeiten nicht nutzen

Eine zusätzliche Verschwendungsart haben wir noch:

Nutzt du bereits das volle Wissen und das volle Potential deiner Mitarbeiter aus?

Wenn nicht, ist auch das eine große Verschwendung.

Nutze die guten Ideen deiner Mitarbeiter, um Verschwendungen aufzuspüren und zu beseitigen. Sie arbeiten jeden Tag mit den Prozessen und wissen daher am besten, wo etwas zu optimieren ist.

Kennst du schon Tim Wood?

Jetzt kennst du die 8 Verschwendungsarten, aber kannst du sie dir merken?

Mir ging es früher immer so, dass ich die Verschwendungsarten wieder vergessen habe. Aber seit ich Tim Wood kenne, passiert mir das nicht mehr.

So kannst du dir und so können sich deine Mitarbeiter immer an die 7 Arten der Verschwendung erinnern:

T – ransport

i – nventory (Bestände)

m – ovement (Bewegungen)

W – aiting (Wartezeiten)

o – verproduction (Überproduktion)

o – verprocessing (Prozessübererfüllung)

d – efects (Fehler, Ausschuss, Nacharbeit)

s – kills (die Fähigkeiten deiner Mitarbeiter)

Also, wenn du dich an die Verschwendungsarten erinnern möchtest, denke an Tim Woods.

Fazit

Fast geschafft.

Aber wenn du es bis hierher geschafft hast, scheine ich dich nicht zu sehr gelangweilt zu haben.

Mit den 7 Arten der Verschwendung haben wir jetzt das Fundament, auf dem wir weiter aufbauen können.

Jetzt können wir zu konkreten Umsetzungen der LEAN Management Methoden in deinem Unternehmen kommen.

Um dich immer an die 7 Verschwendungsarten erinnern zu können, denke an Tim Wood. Wenn wir die achte Verschwendungsart mit hinzunehmen wird daraus Tim Woods (S für die Skills), was sich auch gut merken lässt.

Was mich jetzt interessieren würde:

Welche Verschwendungsarten siehst du am häufigsten in deinem Unternehmen?

Über einen Kommentar dazu würde ich mich sehr freuen.

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Über mich

Thomas
Seit mehr als 10 Jahren beschäftige ich mich beruflich mit Lean Production oder Lean Management. In dieser Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass in den teuren Schulungen zwar tolles theoretisches Wissen über Lean Techniken vermittelt wird, aber weniger konkrete Infos darüber, wie man dieses Wissen im betrieblichen Alltag verankert. Daher habe ich mich dazu entschlossen diesen Blog zu gründen und meine Erfahrungen und mein Wissen mit Dir zu teilen. Ich möchte Dir mit meinen Beiträge und Vorlagen dabei helfen, Lean Management bei Dir im Unternehmen zu einer Erfolgsstory zu machen. Du willst mir dabei helfen? Dann melde Dich bei der LEANvolution Community an und erfahre immer als erster, wenn es neue Beiträge gibt.

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