Wertstromanalyse

Wertstromanalyse (VSM) – korrekte Workshop-Planung und VSM-Symbole

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Kenne erst die Ursache und handle dann! Eine Wertstromanalyse (Value Stream Mapping) hilft dir genau dabei.

Wir hatten hier schon einmal darüber gesprochen, was die VSM Methode leisten kann. Mit ihr kannst du deine gesamte Fertigung analysieren und dabei erkennen, an welchen Stellen du mit Optimierungen das meiste bewirken kannst.

Daher ist dieser Beitrag der Start zu einer neuen Artikelserie rund um das Thema Wertstromanalyse.

Auch für die VSM Methode gibt es wieder ein Vorlagepaket, welches ich dir im Verlauf der Serie vorstellen möchte.

Heute geht es zunächst um die Planung eines VSM Workshops. Außerdem sprechen wir über die wichtigsten Symbole, um einen Wertstrom darzustellen.

Lass uns loslegen:

Was bring dir eine Wertstromanalyse?

Bevor wir so richtig mit der Planung und Durchführung eines VSM Workshops beginnen, klären wir noch einmal, was dir der ganze Aufwand eigentlich bringt. Schließlich wird der Workshop 2 ganze Tage, nicht nur deiner Zeit, in Anspruch nehmen und danach noch weitere Stunden, um Maßnahmen umzusetzen.

Hier sind die wichtigest Vorteile, die dir eine Wertstromanalyse bringen können:

  • Bevor du deine Fertigung oder deine Abläufe im Büro optimieren kannst, musst du sie zunächst verstehen. Eine Wertstromanalyse leistet genau das. Sie zeigt dir auf, wie die Aufträge durch dein Unternehmen laufen.
  • Bei der Analyse findest du automatisch die heutigen Schwachstellen in deinen Prozessabläufen. Stauen sich das Material oder die Aufträge irgendwo? Planst du heute mehr Aufträge in deiner Fertigung ein, als der Kunde im gleichen Zeitraum bestellt? Hast du Schwachstellen in den Arbeitsabläufen an einer Maschine oder in einer Abteilung? Diese Fragen werden dir in einer Wertstromanalyse beantwortet.
  • Bei der Erstellung des Soll-Wertstromes kreierst du dann gemeinsam mit den betroffenen Personen die optimale Situation. Dabei geht ihr anhand klar definierter Regeln vor, welche es dir erlauben, die gefundenen Schwachstellen zu beseitigen.
  • Eine Wertstromanalyse ist daher ein wertvoller Kompass und eine Landkarte zugleich, welche dir deine aktuellen Schwachstellen aufzeigt und sicherstellt, dass deine späteren Optimierungsanstrengungen an genau der richtigen Stelle angewendet werden. Damit holst du den maximalen Nutzen aus deinen Maßnahmen heraus.

Und diese Vorteile erhältst du für nur 2 Tage Arbeitsaufwand! Eine Wertstromanalyse ist

  • ein wertvoller Augenöffner,
  • ist wie eine neue Brille,
  • eine LEAN Brille.

Wertstromanalyse – 4 Schritte für eine korrekte Workshop-Vorbereitung

Aber auf welche Punkte solltest du bei der Planung für einen Workshop achten?

Gehen wir als nächste auf die vier Schritte ein, mit denen du erfolgreich einen VSM Workshop vorbereitest.

Schritt 1: Einladung und Raum

Das Wichtigste ist natürlich die Einladung und die Organisation des Raumes.

Je nach Unternehmensgröße, bietet es sich an, unterschiedliche Abteilungen an dem Workshop zu beteiligen. Wer aber immer mit dabei sein sollte, ist der Mitarbeiter aus dem Produktionsbereich oder die Mitarbeiter des Arbeitsablaufes im Büro, den Ihr analysieren wollt. Er kann während des Workshops wertvollen Input zu Details im Arbeitsablauf liefern.

Hast du einen Betriebsrat in deinem Unternehmen? Dann lade ihn mit ein und stelle damit sicher, dass er von Anfang an beteiligt ist. Damit vermeidest du langwierige Diskussionen im Anschluss.

Ob du die offizielle Einladung über euren elektronischen Kalender im Outlook o.ä. oder als Aushang kommunizierst, spielt dabei eigentlich keine Rolle.

Schritt 2: Bestände prüfen

Ihr werden im ersten Teil des Workshops eine IST Aufnahme der Lagerbestände entlang des Wertstromes durchführen.

In der Vergangenheit hat es sich bewährt, hier über einige Tage verteilt vorab schon einmal die Bestände zu erfassen.

Zwar ist ein VSM immer eine Bestandaufnahme zu einem bestimmten Zeitpunkt, aber ich habe in der Vergangenheit schon so manche Diskussion erlebt, dass die Bestände am Workshop Tag auf diverse spezielle und nur an diesem Tag vorliegende Ursachen zurückzuführen seien.

Um genau diesen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, ist die Aufnahme an verschiedenen Tagen gut geeignet.

Das setzt zwar voraus, dass du den Ablauf und die Stationen bereits im Vorfeld kennst, aber in den meisten Fällen wird das so sein, oder aber du beteiligst an dieser Aktion den Vorarbeiter oder Meister des Bereichs.

Schritt 3: Unterlagen vorbereiten

Zu Beginn des eigentlichen Workshops ist es hilfreich, alle Workshop Teilnehmer mit den Grundlagen der Wertstromanalyse vertraut zu machen. Selbst, wenn einige Teilnehmer bereits an einer Schulung zu dem Thema oder an früheren Workshops teilgenommen haben, kann eine kleine Auffrischung der wichtigsten Grundlagen nicht schaden.

Schaue während der Vorbereitung, ob die Schulungspräsentation aus dem VSM Vorlagenpaket, die ich dir ein einem späteren Beitrag der Serie noch genauer vorstellen werde, auf den aktuellen Bereich passt und bereite wenn möglich ein Beispiel aus einem früheren Workshop vor. Damit kannst du noch besser erklären, was du in dem Workshop erreichen möchtest.

Schritt 4: Workshop-Material vorbereiten

Bereite auch das notwendige Material für deinen Workshop vor. Du brauchst auf jeden Fall eine Rolle Papier, denn so ein Wertstrom kann sich schon einmal über eine Breite von 3 Metern erstrecken.

Um während des Workshops die einzelnen Elemente schnell zu erstellen, gibt es eine Druckvorlage im VSM Vorlagenpaket, welches die am häufigsten benötigen Symbole beinhaltet.

Alternativ kannst du die Elemente des Werstroms auch mit Post-It Blöcken darstellen. Besorge dafür Blöcke in mindestens 4 unterschiedlichen Farben. Von jeder Farbe solltest du mindestens vier, besser noch 5 Blöcke besorgen.

Wichtig außerdem: Stifte. Am besten nehmt ihr hier die normalen White-Board Marker. Die schreiben schön dick, so dass man später Alles gut erkennen kann.

Wertstromanalyse – Symbole zur Darstellung des Wertstroms

Um einen Wertstrom zu visualisieren, braucht ihr verschiedene Symbole.

Für viele davon habe ich dir im VSM Vorlagenpaket eine tolle Druckvorlage beigelegt.

Die wichtigsten Symbole möchte ich dir jetzt kurz vorstellen:

1. Kunden, Lieferanten und externe Informationsflüsse

Kunden und Lieferanten werden mit Fabriksymbolen dargestellt. Zusätzliche Informationen wie der Name des Lieferanten oder die produzierte Menge können in einer kleinen Box direkt in das Fabriksymbol eingetragen werden.

KundenLieferanten

Die Lieferungen von deinen Lieferanten oder zu deinen Kunden werden mit kleinen LKW dargestellt. In diese kannst du den Belieferungsintervall eintragen.

Transport

Hast du mehrere Hauptkomponenten, die du darstellen möchtest?

Nimm einfach für jeden Hauptlieferanten ein Fabriksymbol und entsprechend für jede Anlieferung einen eigenen LKW.

Es wird jedoch empfohlen sich auf maximal 5 Lieferanten und Komponenten zu beschränken. Sonst wird es einfach zu unübersichtlich in deinem Wertstrom.

Externe, elektronische Informationsflüsse werden mit einem gezackten Pfeil dargestellt. An dem Pfeil wird dabei in einem kleinen Kasten vermerkt, wie häufig die Informationen ausgetauscht werden.

elektrInfofluss

Manuelle Informationsflüsse über Telefon oder Fax werden mit einem gerade Pfeil dargestellt, wieder ergänzt um die Information, wie häufig die Information ausgetauscht wird.

manueller Infofluss

2. Lagerung von Material

Es gibt verschiedenen Symbole für die Lagerung von Material:

Ein normales Lager wird mit einem Dreieck, in welchem sich ein Großes I für Inventory befindet, in deinem Werstrom dargestellt. Unterhalb des Dreiecks steht die Lagermenge in Stück. Wenn ihr im Verlauf des Workshops die Zeiten ausrechnet, kann diese ebenfalls ergänzt werden.

Inventory

Supermarktregale werden wir unten im Bild zu sehen dargestellt. Das Symbol stellt ein zu einer Seite hin offenes Regal dar.

SupermarktRegal

Sicherheitsbestände werden dagegen mit einem zu beiden Seiten geschlossenen Regal dargestellt.

Regal

3. Prozesse

Prozesse werden mit einer sogenannten Prozess-Box visualisiert.

In die Prozessbox wird der Name des Prozesses und die Zahl der Mitarbeiter eingetragen. Unterhalb gibt es einen Datenkasten, in welchen alle weiteren, wichtigen Informationen zu dem Prozess eingetragen werden.

Dazu zählen:

  • Die Prozesszeit, also die Zeit, die es braucht, bis ein Teil durch den Prozess gelaufen ist.
  • Die Zykluszeit, die angibt, wie oft pro Zeitintervall ein fertiges Teil aus dem Prozess kommt.
  • Die Rüstzeit, also wie lange es im Mittel dauert, um von einer Variante A auf eine Variante B umzurüsten.
  • Die verfügbare Zeit der Maschine.
  • Die Qualitätsrate des Prozesses, also wieviel Ausschuss im Durchschnitt entsteht.
  • Die Anzahl an Schichten pro Tag.
Wertstromanalyse Prozessbox

4. Materialfluss

Um darzustellen, wie das Material zwischen den einzelnen Prozessschritten fließt, gibt es ebenfalls mehrere Symbole:

  • Den Push-Pfeil, der darstellt, dass das Material in den nächsten Prozessschritt gedrückt wird. Das ist die denkbar schlechteste Variante. Daher ist es das Ziel der Werstromanalyse, andere Wege dafür zu finden.
PushPfeil
  • Die Lieferungen zu deinem Kunden aber auch die Anlieferungen deiner Lieferanten werden mit einem Fertiggut-Pfeil dargestellt.
FertiggutPfeil
  • Vielleicht hast du zwischen zwei Prozessschritten einen FIFO Puffer. FIFO steht für First In First Out und beschreibt einen Puffer zwischen zwei Produktionsmaschinen bei dem das erste Teil, welches in den Puffer hineingeschoben wird, auch als erstes wieder an der nächsten Station entnommen wird.
FIFO
  • Pull-Steuerung. Hier zieht der optimalerweise letzte Prozess von dem jeweils vorgelagerten Prozess das Material ab und signalisiert diesem so, dass eine Nachproduktion notwendig ist.
PULLEntnahme

5. Kanban Symbole

Hier hatte ich bereits kurz die Kanban Methode vorgestellt.

Bei allen Aktivitäten, die aus deinem VSM Workshop entstehen, ist es immer das Ziel, dieser Methode so nahe wie möglich zu kommen. Was genau ich damit meine, wird im weiteren Verlauf der Artikelserie noch erklärt.

Für den Moment möchte ich dir die wichtigsten Symbole zur Visualisierung von Kanban Kreisläufen vorstellen.

  • Ein mit der Spitze nach unten stehendes Dreieck stellt einen Transport Kanban dar.
TransportKANBAN
  • Ein an der rechten, oberen Ecke abgeschnittenes Rechteck mit einer Schraffur symbolisiert eine Kanban Entnahme aus einem Supermarkt-Regal.
KanbanEntnahme
  • Ein an der rechten, oberen Ecke abgeschnittenes Rechteck ohne Schraffur stellt einen Produktions-Kanban dar.
ProduktionsKanban
  • Ein stark vereinfachter Kelch stellt eine Kanban-Box dar.
KanbanBox
  • Bezogen auf die Verbindung zweier Produktionsschritte mit einem Kanban Kreis sähe das Bild wie untenstehend aus. Man sieht das Supermarkt-Regal, welches auf der Eingangsseite mit einem Produktions-Kanban befüllt wird, nachdem es auf der Entnahmeseite mit einer Kanban-Entnahme entleert wurde.
KanbanKreis

Zur Weiteren Vertiefung der Kanban-Methode werde ich noch einen eigenen Artikel veröffentlichen, in dem ich dir die verschiedenen Möglichkeiten vorstelle, wie man Kanban-Kreisläufe in der Praxis umsetzen kann.

Fazit zur Wertstromanalyse

Dieser Beitrag war wieder voll mit praktischen Informationen.

Zunächst haben wir über die 4 Schritte gesprochen, die für eine perfekte Workshop Planung durchlaufen werden sollten.

Hier ging es um:

  • Die Einladung zu dem Workshop,
  • Die Vorab-Aufnahme der Bestände, um einen aussagekräftigeren Wert zu ermitteln und Diskussionen darüber vorzubeugen, dass die am Workshop-Tag beobachtete Situation nicht dem normalen Zustand entspricht,
  • Die Vorbereitung der Unterlagen für den Workshop und
  • Die Vorbereitung des Materials.

Insbesondere für die beiden letzten Punkte helfen dir die Vorlagen im VSM Vorlagenpaket. Mit diesen kannst du deinen VSM Workshop innerhalb kürzester Zeit vorbereiten, die Druckvorlagen für die VSM Symbole sind praktisch und sparen dir beim Workshop Zeit.

Das war auch der letzte Teil des Artikels, in dem es um die verschiedenen Symbole ging, mit denen man einen Wertstrom darstellt.

Im nächsten Beitrag geht es dann um die 8 Schritte zur erfolgreichen Erstellung eines Wertstroms.

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Ich wünsche dir einen guten Start in eine erfolgreiche Woche,

Dein Thomas

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Über mich

Thomas
Seit mehr als 10 Jahren beschäftige ich mich beruflich mit Lean Production oder Lean Management. In dieser Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass in den teuren Schulungen zwar tolles theoretisches Wissen über Lean Techniken vermittelt wird, aber weniger konkrete Infos darüber, wie man dieses Wissen im betrieblichen Alltag verankert. Daher habe ich mich dazu entschlossen diesen Blog zu gründen und meine Erfahrungen und mein Wissen mit Dir zu teilen. Ich möchte Dir mit meinen Beiträge und Vorlagen dabei helfen, Lean Management bei Dir im Unternehmen zu einer Erfolgsstory zu machen. Du willst mir dabei helfen? Dann melde Dich bei der LEANvolution Community an und erfahre immer als erster, wenn es neue Beiträge gibt.

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